Im Projektkurs Informatik geht es nicht nur darum, Programmiersprachen zu lernen. Schülerinnen und Schüler entwickeln über einen längeren Zeitraum eigene Lösungen für echte technische Herausforderungen. Dabei entstehen Projekte, in denen Planung, Teamarbeit, Kreativität und Ausdauer genauso wichtig sind wie Code.
Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre lag auf der Entwicklung von Webanwendungen mit einem PHP-Framework. Ein Projektteam entwickelte beispielsweise mit eine eigene Plattform für Online-Umfragen. Nutzerinnen und Nutzer können dort Umfragen erstellen, Fragen unterschiedlicher Art zusammenstellen und die Ergebnisse übersichtlich auswerten. Dazu gehören Auswahlfragen, Bewertungsskalen und freie Textantworten. Die Ergebnisse lassen sich als Diagramme ansehen oder als Tabelle herunterladen.
Hinter einer solchen Webseite steckt deutlich mehr als ein ansprechendes Design. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten mit Datenbanken, Benutzerkonten und einer Rechteverwaltung. Sie beschäftigten sich damit, wie Informationen sicher gespeichert werden, wie sich ein Passwort-Reset umsetzen lässt und wie eine Anwendung auch auf dem Smartphone gut bedienbar bleibt. Besonders spannend war die Frage: Wie werden aus vielen einzelnen Antworten verständliche Ergebnisse? Dafür wurden die Daten aufbereitet und in interaktiven Diagrammen dargestellt. So wurde aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein nutzbares digitales Werkzeug.
Ein anderer Jahrgang widmete sich einer Aufgabe aus Robotik und Algorithmik: Ein Roboter sollte einen verdrehten Rubik’s Cube selbstständig erkennen und lösen. Was zunächst wie ein Spielzeugprojekt klingt, verbindet eine Reihe anspruchsvoller Fragestellungen. Der Roboter musste den Würfel halten, drehen und kippen können. Ein Farbsensor erfasste die einzelnen Felder; anschließend musste das Programm aus diesen Informationen den Zustand des Würfels bestimmen.

Für die eigentliche Lösung kam ein sogenannter Two-Phase-Solver zum Einsatz. Dieser Algorithmus berechnet eine Folge von Drehungen, mit denen ein beliebig verdrehter Würfel wieder in seine Grundstellung gebracht werden kann. Damit die berechneten Schritte auch tatsächlich ausgeführt werden konnten, mussten Mechanik und Software exakt zusammenspielen. Motoren bewegen sich schließlich nicht „ungefähr“: Schon kleine Ungenauigkeiten beim Greifen, Scannen oder Drehen können dazu führen, dass der gesamte Ablauf scheitert.

Gerade darin liegt ein wichtiger Wert des Projektkurses. Die Schülerinnen und Schüler erleben, dass Informatik selten nur am Computer stattfindet. Eine gute Idee muss getestet, überarbeitet und manchmal auch verworfen werden. Beim Bau des Würfelroboters wurden Konstruktionen mehrfach angepasst, Antriebe verbessert und Programme in einzelne, gut testbare Bereiche gegliedert. Beim Aufbau der Umfrageplattform standen dagegen Benutzerfreundlichkeit, Datensicherheit und die verständliche Darstellung von Ergebnissen im Mittelpunkt.
Beide Projekte zeigen exemplarisch, wie vielfältig Informatik sein kann. Sie reicht von Webentwicklung und Datenbanken über Gestaltung und Datenschutz bis hin zu Robotik, Sensorik und mathematischen Algorithmen.
Im Projektkurs arbeiten die Lernenden dabei nicht an vorgegebenen Übungsaufgaben, sondern übernehmen Verantwortung für ein eigenes Vorhaben. Am Ende steht nicht nur ein Programm oder ein Modell, sondern vor allem die Erfahrung: Komplexe Probleme lassen sich lösen, wenn man sie in kleine, bearbeitbare Schritte zerlegt und gemeinsam dranbleibt.
