Fahrradtour durch das Ruhrgebiet

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Am 18.6.2018 unternahmen wir, d.h. die 2 Q1-Erdkundekurse, mit unseren leitenden Lehrkräften Frau Kuhn und Herrn Höhne eine Fahrradexkursion durch eine der in der Vergangenheit wichtigsten Industrieregionen Deutschlands, durch das Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet hat eine erstaunliche und wirtschaftlich geprägte Vergangenheit, wobei besonders der Steinkohleabbau in den Zechen der wichtigste industrielle Motor des damaligen Ruhrgebietes war. Besonders interessant ist der tiefgreifende Strukturwandel, den das Ruhrgebiet erfahren hat. Noch in diesem Jahr schließt die letzte Zeche – Prosper Haniel in Bottrop, die wir natürlich auch mit unseren Fahrrädern ansteuerten. Weitere Ziele unserer Tour waren die Zeche Zollverein Essen, die Gartenstadt Welheim, das CentrO in Oberhausen und auch der Landschaftspark Duisburg-Nord. Diese ausgewählten Beispiele waren gut dafür geeignet, den Strukturwandel des Ruhrgebiets zu erkennen. Los ging es an der Radrevierstation an der Zeche Zollverein in Essen, die wir nach einer eineinhalbstündigen Zugfahrt erreichten. Nachdem wir unsere Fahrräder ausgeliehen hatten, gab es eine kurze Wegbesprechung. Zu Beginn unserer Fahrradtour bekamen wir gleich die ersten grundlegenden Informationen über die Geschichte der Zeche Zollverein in Form eines Kurzvortrages: Nach der Entdeckung eines großen Kohlevorkommens hat es nur vier Jahre gedauert die ganze Anlage zu planen, zu bauen und in Betrieb zu nehmen. 1851 wurde schließlich die erste Kohle in dem 80 Mio. Euro teuren Gebäudekomplex gefördert. Nach dem Ausbau der Schächte und dem Neubau der zentralen Schachtanlage (Schacht XII) war Zollverein mit einer Förderung von 12.000 Tonnen täglich die größte und leistungsstärkste Zeche des Zweiten Weltkriegs. Besonders ist hierbei außerdem, dass die geförderte Kohle auch noch nach Material und Größe sortiert wurde, um eine schnelle Weiterverarbeitung zu ermöglichen. Somit schaffte es die Kohle in nur 42 Minuten vom Schacht bis zum Eisenbahnwaggon. Heutzutage gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Events auf dem Zechengelände, welches mittlerweile unter Denkmalschutz steht und 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Zudem befindet sich das Ruhr-Museum in einem der Gebäude. Somit kann man schnell den Strukturwandel erkennen, weil die alten Gebäude teilweise für neue Zwecke genutzt werden. Außerdem ist die gesamte Anlage sehr gut erhalten. Unser nächster Standort bildete eine typische Bergarbeitersiedlung (Hegemannshof), die wir über die Radroute Nordsternweg, einer ehemaligen Bahntrasse, erreichten. Wir konnten deutlich erkennen wie eng die einzelnen Häuser aneinandergereiht waren und wie wenig Platz die einzelnen Bewohner zum Leben hatten. Die nächsten Standorte, die wir ansteuerten, waren der Rhein-Herne-Kanal, die Emscher und der Nordsternpark in Gelsenkirchen. Der Rhein-Herne-Kanal diente als Transportweg für die Steinkohle. Heutzutage wird der Kanal nur noch wenig zu industriellen Zwecken und stattdessen mehr für den Freizeitverkehr genutzt. Des Weiteren fuhren wir bei sehr angenehmen Temperaturen an mehreren ehemaligen Zechen vorbei, von denen die Zeche Nordstern vor Jahren als Ausführungsort der Bundesgartenschau diente. Auch hier konnten wir bestens erkennen, welche Veränderungen im Ruhrgebiet stattgefunden haben und wofür man die verlassenen Zechen heutzutage nutzen kann. Gut gelaunt fuhren wir weiter zum Tetraeder Bottrop. Diese Landmarke, eine Stahlkonstruktion, die einer 3-seitigen Pyramide ähnelt, liegt auf einer 90m hohen Halde. Einige von uns erklommen den Gipfel zusammen mit Herrn Höhne sogar mit dem Fahrrad in mehreren Serpentinen. Wir anderen stiegen zusammen mit Frau Kuhn die über 200 Stufen bis zum Aussichtsplateau hinauf. Nach einem einigermaßen anstrengenden Aufstieg oben angekommen („Das schaffen wir jetzt auch noch!“) wurden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Wir genossen die wunderbaren Ausblicke auf die Landschaft rund um Bottrop. Nach einer erholsamen Pause fuhren wir weiter zum CentrO, wo wir uns in der Coca-Cola-Oase stärkten. Nach dieser kurzen Pause ging`s auch schon weiter, so dass wir letztendlich unser Exkursionsziel, den Landschaftspark Duisburg-Nord (LaPaDu) erreichten, in welchem sich mehrere Industriedenkmäler befinden, in denen zu Hochzeiten 1300 Menschen gearbeitet haben. Wir blickten direkt auf den Hochofen. 1000t Roheisen wurden damals in dem Hochofen täglich produziert und es dauerte sechs bis acht Stunden bis das oben eingefüllte Koks unten als flüssiges Roheisen herauskam. Heute gibt es neben dem für Besucher (fast) jederzeit zugänglichen Hochofen auch noch einen Kletterpark, eine Open-Air Bühne und in dem ehemaligen Gasometer der Anlage ein Tauchersportzentrum mit spannender Unterwasserlandschaft. Somit wurde auch in Duisburg nach einer Gelegenheit gesucht, die Flächen der geschlossenen Anlage sinnvoll zu nutzen, um so quasi den sektoralen Strukturwandel zu durchlaufen. Nach diesem letzten kurzen Vortrag zum LaPaDu war die Zeit gekommen unsere Fahrräder abzugeben und die Heimfahrt anzutreten. Unsere stolze Bilanz: 10 Standorte und 32 km in nur 5 Stunden! Und dazu noch ganz viele glückliche Gesichter! Insgesamt war die Fahrradexkursion durch das westliche Ruhrgebiet, von allen bezeugt, ein voller Erfolg mit Wiederholungsbedarf! Bei richtig guter Stimmung haben wir viel über das Ruhrgebiet gelernt und konnten seine Entwicklung mit eigenen Augen sehen, nachvollziehen und erkunden. Unser Dank gilt besonders unseren Lehrern Frau Kuhn und Herrn Höhne für die tolle Planung, Organisation und Durchführung! Wir waren uns einig: Es war für uns alle ein richtig tolles Erlebnis!

Lasse Knodel, Q1

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